Die Geschichte der Monsheimer Kirche - Vortrag zum 100. Jubiläum der heutigen Monsheimer Kirche 2005

 
 
   

Erwähnt wird die Monsheimer Kirche erstmals im Lorscher Codex anno 766. Sie wurde dem Heiligen Georg gewidmet. Ausführlich erwähnt wurde sie 1496,  in einem Visitationsbericht der Wormser Synodale.
Die übergeordnete Behörde der Pfarrei Monsheim war bis 1470 das Dekanat Bockenheim, danach das Dekanat Leiningen. Außerdem wird erwähnt, dass sie reich mit Kirchengut ausgestattet war. Ursprünglich hatten die Leininger Grafen das Patronat über die Kirche, wodurch sie verpflichtet waren, Kirche und Pfarrhaus instand zu halten sowie den Geistlichen zu ernennen und zu besolden.

1467 wurde die Pfarrkirche Monsheim als größeres Geschenk durch den Leininger Grafen an das Stift Zell abgegeben. Die Kirche besaß  Chor und Schiff, eine Taufkapelle, eine Sakristei, einen Turm und ein Beinhaus zur Aufbewahrung von Totengebeinen.

Früher verlief der Grundriß in Ost – Westrichtung, durch zahlreiche Um – u. Anbaumaßnahmen verläuft der Grundriß heute in Nord - Südrichtung.

Ürsprünglich war die Kirche romanisch und einschiffig, erhielt aber später auf der Ostseite ein zweites Schiff vorgelagert.

1722/23 wurde eine größere Reperatur vorgenommen und der Chor vergrößert, gleichzeitig wurde eine neue  Orgel  eingebaut.

Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete die evangel. Gemeinde,  am westlichen Teil der Kirche, einen Glockenturm. In diesem wurden drei Glocken aufgehangen.

 
   

1904/05 erfolgte der endgültige große Umbau,  unter einem Kostenaufwand von 34 000 Reichsmark.
 

Ein nördliches Seitenschiff mit Vorhalle wurde angefügt, wobei die alten zugemauerten Säulen und Bögen zutage traten. An der Südseite wurde die Mauer durchbrochen und ein Chor angebaut, sowie eine neue Orgel mit 16 Register installiert, früher auf der Empore.

 


Der Wormser Kunstmaler Fritz Muth erhielt den Auftrag zur malerischen Gestaltung der neuen Kirche. 
 

      

Fritz Muth

 

Fritz Muth war der bekannteste Kunstmaler aus Worms (1865-1943).

 

Aufgewachsen ist er hinter dem Siegfriedstein am Dom, später fand er sein Domizil im Wärterhaus am alten Judenfriedhof.

Er malte in allen Stilrichtungen und Kunstepochen und hatte hohes Einfühlungsvermögen in alle Techniken.

 

Sehr bekannt wurde er durch die Ausgestaltung der Mühlenspiele an der Ostgalerie des Wormser Domes, der Kirchen in Mannheim, Gimbsheim, Bechtheim, Herrnsheim, Oppenheim, sowie unsere Monsheimer Kirche.

 

Anno 1917 ging Fritz Muth nach München und widmete sich dort der Landschaftsmalerei.

 

Das Kulturleben in Worms und Umgebung wurde von ihm maßgeblich beeinflusst. Seine große Liebe galt dem Wormser Dom, den er wie kein anderer in seinen Gemälden verewigte.

 

Unsere Kirche legt heute wieder Zeugnis, von der hohen Genialität dieses Künstlers ab.

 

        

 

Viele Monsheimer Bürger erinnern sich noch an die Modernisierung der Kirche 1965. Der alte Altar, die Kanzel, die Kronleuchter,  wurden entfernt, ein neuer Marmorfußboden mit Fußbodenheizung installiert, die Wände mit weißer Farbe übermalt.

Unter Mithilfe von Spenden aus der Bevölkerung und der Landeskirche konnten wir im Jahre 2000 den Restaurator Vitus Wurmdobler, aus Erbes-Büdesheim für die Rekonstruktion gewinnen. Heute können wir die Jugendstilausmalung  sowie die wunderschöne Holzdecke bestaunen.
   

Dem Engagement von Hr. Wolfgang Hornung ist es zu verdanken, dass die Kirche über eine antike Holzkanzel (1888) und ein Taufbecken (1870) verfügt.

Taufbecken Monsheim
   
Nach 100 Jahren sind wir Monsheimer Bürger stolz auf die Ausstattung unseres Gotteshauses.

Zum Abschluss möchte ich  die Worte aufnehmen, die einst der Monsheimer Bürgermeister Heinrich Gräf,  am 8. April 1905 bei der feierlichen  Einweihung gesprochen hatte:

„Nach Vollendung dieses Werkes herrscht bei der hiesigen evangelischen Gemeinde große Freude und Zufriedenheit. Die ev. Bewohner sind stolz  darauf, dass in der ganzen ländlichen Umgegend keine solche Kirche mit einem derartigen harmonischen Geläute bis jetzt besteht.

Kein einziger Unfall ist bei dem Bau vorgekommen und mit Gottes Hilfe wurde das Gotteshaus erbaut.“

Quellen: Familienchronik H. Gräf, Chronik Dr. Michel, Bericht Pf. V. Hudel

Heinz Spieß und Doris Dörfer, im September 2005

   
   
Die Monsheimer Pfarrer im Laufe der Geschichte - Bericht in den "Wonnegauer Heimatblätter" vom Juni 1967 der Wormser Zeitung