Information zur Neuregelung der Kirchensteuer

 
 

 

Für evangelische Kirchenmitglieder: „Evangelisch“ in die Formulare zur Abgeltungssteuer eintragen

Die Banken können die Kirchensteuer ab 2009 direkt einbehalten, um sie an die Kirchen weiterzuleiten

Ab dem 1. Januar 2009 ändert sich die Art und Weise, wie die Kirchensteuer vereinnahmt wird. Dann können die Banken die Kirchensteuer direkt als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer einbehalten und an die Kirchen abführen. Bisher hat das Finanzamt das Geld eingezogen und weitergeleitet.
In den Formularen, die jeder Kontobesitzer von seiner Bank erhält, sollen die Mitglieder der evangelischen Kirche ihre Konfessionszugehörigkeit „evangelisch“ eingetragen. Darum bittet die EKHN. Der Beauftragte für Mitgliederorientierung, Pfarrer Matthias Pape, hat zu diesem Thema einige Informationen zusammengestellt, indem er häufig gestellte Fragen beantwortet:

Was ist der Hintergrund dieser neuen Regelung?
Ab Januar 2009 wird neu geregelt, wie die Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert werden. Mit diesem neuen Verfahren soll die Besteuerung von Kapitalerträgen vereinheitlicht und vereinfacht werden. Die seit 2004 bestehende Zinsabschlagsteuer (ZAST, gerne auch ZASTER genannt) wird damit neu gehandhabt. Kapitaleinkünfte werden zukünftig nur noch mit einem Steuersatz von 25 % belastet. Hierauf werden – wie bisher – Kirchensteuer von 9% erhoben.

Was ist das Ziel dieser Regelung?
Einkünfte aus Kapitalvermögen werden direkt an der Quelle, der auszahlenden Stelle (z.B. eine Bank), mit einem Steuersatz von 25 Prozent besteuert. Hierbei behält die auszahlende Stelle 25 Prozent der Kapitalerträge (z.B. Zinsen) ein und führt sie direkt an die Finanzverwaltung ab.

Muss ich mich jetzt bei meiner Bank melden?
Nein. Jeder Bundesbürger, der bei einer Bank ein Konto unterhält, wird von seiner Bank angeschrieben. Er erhält ein Antragsformular auf Einbehalt der Kirchensteuer und allgemeine Hinweise zu dem Antrag.
Es wäre für unsere kirchliche Arbeit sehr hilfreich, wenn Sie in den Formularen, die Sie bei der Bank einreichen, Ihre Konfessionszugehörigkeit angeben. Die Banken können dann Ihre Kirchensteuer direkt als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer einbehalten und an die jeweilige Kirche abführen. Wenn Sie bei verschiedenen Banken Konten führen, müssen die Formulare bei allen entsprechenden Banken eingereicht werden.

Ist die neue Regelung endgültig?
In den nächsten zwei Jahren, also 2009 und 2010, ist vorgesehen, dass der Steuerpflichtige wählen kann, ob er – wie bisher – seine Kapitaleinkünfte zur Berechnung der Kirchensteuer in seiner Steuererklärung angibt oder ob er der Stelle, die seine Einkünfte auszahlt (z.B. seiner Bank), seine Religionszugehörigkeit angibt. Die auszahlende Stelle führt dann die Kirchensteuer entsprechend ab. Es geht also lediglich darum, an welcher Stelle der Betreffende seine Kirchenzugehörigkeit angibt: an der Quelle (beispielsweise eine Bank) oder im weiteren Verlauf bei der Steuererklärung.

Verändert sich die Höhe meiner Kirchensteuer?
Die Kirchensteuer bleibt unverändert bei 9 Prozent. Wer einen höheren Steuersatz als 25 Prozent hat, steht jetzt mit den 25 Prozent Abgeltungssteuern sogar günstiger da.

Wird die kirchliche Arbeit dadurch weiter gewährleistet?
Ja. Es wird auch mit dieser Änderung weiterhin gewährleistet, dass Kirchenmitglieder entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit dazu beitragen, die kirchliche Arbeit aufrechtzuerhalten.

Bekommt die Kirche mit dem neuen Verfahren mehr Geld?
Das Gegenteil ist der Fall! Die Kirchensteuer bleibt an die Abgeltungssteuer gekoppelt – und da diese gesunken ist, verringert sich die Höhe der Kirchensteuer.

Warum ist das Konfessionsmerkmal, also die Angabe zur Religionszugehörigkeit wichtig?
Mit Ihrer Angabe kann die auszahlende Stelle der Einkünfte zuordnen, zu welcher Kirche die Kirchensteuer weitergeleitet werden muss.

Wer kann dann sehen, dass ich evangelisch bin?
Diese persönlichen Daten bleiben anonym. Auch beim späteren Verfahren ab 2011 sollen diese Angaben zur Religionszugehörigkeit verschlüsselt werden.

Und wenn sich bei meinen persönlichen Daten etwas ändert?
Hat sich im laufenden Jahr z.B. bei der Kirchenmitgliedschaft etwas geändert, ist dies der Bank mitzuteilen.

Und wenn ich bislang keine Angaben zur Religionszugehörigkeit bei meiner Bank gemacht habe?
Dann sind die Kapitaleinkünfte im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu deklarieren.

Wie geht es nach 2010 weiter?
Im Rahmen der endgültigen Lösung ab 2011 ist vorgesehen, dass die Bank auf elektronischem Weg die Religionszugehörigkeit verschlüsselt mitgeteilt bekommt. Mit diesem Verfahren soll sichergestellt werden, daß unter Wahrung der absoluten Anonymität die Kirchensteuer mit dem für den Kunden zutreffenden Hebesatz einbehalten wird.

Datenschutzhinweis:
Die Einführung der Abgeltungsteuer wirkt sich nur auf das Erhebungsverfahren aus. Dem Grundsatz des Abgeltungsverfahrens folgend wird auch die Kirchensteuer an der Quelle einbehalten. Die Religionszugehörigkeit wird den auszahlenden Stellen als anonymes Datum von der Finanzverwaltung zur Verfügung gestellt. Der Mitarbeiter z.B. einer Bank hat also - wie bisher - keine Kenntnis von der Religionszugehörigkeit seiner Kunden.

Informationen zur Verfügung gestellt vom Beauftragten für die Mitgliederorientierung der EKHN, Pfarrer Matthias Pape in Rücksprache mit den Finanzreferaten für die Gemeinden